Die Initiatorin: Giuliana Retali

„Musik ist die hörbar gemachte Natur meiner Insel, gleich wie die Wellen des Meeres, süß und stark, kleine Unregelmäßigkeiten wie in der Sprache …aber natürlich und nie langweilig.“  – Giuliana Retali

 

Ihre musikalische Laufbahn begann sie in ihrer Heimat, auf der Insel Elba. Über ihre Mutter, eine Pianistin, war sie schon früh von der Musik fasziniert und spielte bereits mit vier Jahren ihre ersten Stücke auf dem heimischen Flügel. 

Jahre später führte sie der Weg zunächst auf das italienische Festland. In Bologna und Lucca schloss sie ihr Diplom für Cembalo und Klavier erfolgreich ab, bevor es sie zum weiteren Studium in die Schweiz zog. An der Schola Cantorum Basiliensis widmete sie sich der Alten Musik, studierte Hammerflügel und historische Aufführungspraxis und nahm anschließend an Dirigierkursen teil. Eine intensive Weiterbildung erhielt sie insbesondere von ihren Lehrern, den Dirigenten Carl August Bünte und Symeon Ioannidis aus Berlin.

 

„Alles begann nach meinem Studium in der Schola Cantorum in Basel als ich musikalische Leitung der Opernklasse wurde und nicht verstehen wollte warum der Gesang im Musiktheater nicht zu verstehen ist - im Theater jedoch.“ 

 

Das tiefere Verständnis der Rhetorik in der Oper faszinierte sie jedoch besonders. Während ihrer Zeit als Leiterin der Opernklasse an der Schola Cantorum in Basel erforschte sie die Verbindungen zwischen Versen und Musik der frühesten Opernwelt in Zusammenarbeit  mit verschiedenen Philologen und Sängern. 

Es folgten musikalische Experimente über die ästhetischen Konzepte von Sprache und Musik anhand der Opern von Caccini, Peri, Gagliano und Monteverdi , die sie an der Schule für Alte Musik in Barcelona (Esmuc)als Spezialistin der italienischen Rezitation bei den Seminaren von Monserrat Figueras über das „Recitar cantando” weiter ausarbeiten konnte.

 

„Das erste Wunder: in den verstaubten Büchern von 1500/1600, dem ersten italienischen Wörterbuch, den ersten Kommentaren der ersten Opern, den Traktaten über die Rezitation und anderen Quellen habe ich das große Geheimnis gelüftet: den Code um die gesungenen Worte der Oper endlich dem Publikum verständlich zu machen.“ 

 

Im Zuge ihrer Studien waren Forschung und Praxis stets eng miteinander verbunden. Sie arbeitete als Assistentin der musikalischen Leitung in Opernproduktionen neben Lothar Zagrosek, Attilio Cremonesi, Victor Pablo, Alessandro De Marchi im Konzerthaus Berlin, Kultur- und Kongresszentrum Luzern, Concertgebouw Amsterdam, Theater Bonn, Théâtre du Capitole Toulouse, Théâtre de Poissy, Grand Théâtre de Genève, Théâtre de Caen, Theater Luzern, Festspielhaus St. Pölten, Stadttheater Freiburg, Teatro Pergolesi Jesi, Schwetzinger Festspiele, Montpellier, Theater an der Wien, Champs Elisées und anderen. Seit mehreren Jahren dirigiert sie Konzerte und Opern in Deutschland und Spanien. 

 

 

„Eines Tages bei einer Produktion erweiterte sich meine Vision in die Musik: Wie wäre es, wenn das Orchester die Rezitation reproduzieren könnte? Plötzlich hörte ich die Musik anders: das Orchester sollte also im Einklang mit den Sängern die individuelle und besondere Wiedergabe der Texte unterstützen und nicht nur begleiten. 

Die Erweiterung empfand ich als unglaublich: eine Methode um die Umsetzung von Komposition und Worten zu zeigen. Damit war der Schritt zur Dirigentin für mich persönlich festgelegt und meine Vorstellungen über Sprache und Töne für Sprachverständlichkeit wurden umgesetzt.“ 

 

Der folgende Schwerpunkt ihrer Forschung galt nun der Einbindung  des Orchesters in die ästhetischen Konzepte von Sprache und Musik. Aus diesen gelang es ihr, alle rhetorischen Möglichkeiten des gesungenen Textes im Orchester in Opernproduktionen umzusetzen. Darauf aufbauend entwickelte sie eine spezielle Dirigiertechnik, um die Artikulation und den Ausdruck der italienischen Sprache in den vokalen und instrumentalen Bereich zu übertragen. Der Traum einer, nach diesen Konzepten, ganzheitlichen Operninszenierung sollte sie schon bald erneut auf eine Insel führen.

 

„Seit Jahren bin ich mit der Insel und den Stimmungen dort vertraut – Mallorca hat mir und meinem Partner so viel geschenkt, dafür möchte ich etwas zurückgeben. Auch dem Orchester bringe ich etwas Neues, und ich weiß, dass die Musiker begeistert dabei sein werden. Es sind alles sehr gute Musiker und es sind Inselbewohner, das haben unsere Seelen gemeinsam. Das wird gut!“

 

Als künstlerische Leiterin gründete sie 2014 das Opernorchester Camerata Mallorquina auf Mallorca. Seit vielen Jahren ist sie mit dem Kulturleben der balearischen Insel vertraut und schließt dort mit dem Opernorchester eine Lücke. Ihre engen Kontakte zu den hiesigen Musikern verbindet sie mit einem erlesenen Repertoire, u. a. von Wolfgang Amadeus Mozart, Joseph Haydn, Gioacchino Rossini, Christoph Willibald Gluck und Georg Friedrich Händel. Ihre persönliche Verbundenheit zur klassischen Oper und zur Insel gleichermaßen bilden so das Fundament, auf dem sie das Projekt Oper 4.0 aufbauen möchte. Natürlich mit Mallorca als einem tragenden Standort.